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Gottesdienst zum Abschluss des Studientags für das pastorale Personal am 27.11.17



Alles, was wir den Tag über gemeinsam erwogen und erörtert haben, möge sich nun in Seiner Gegenwart in unseren Herzen sammeln, sich setzen, sich läutern und reifen.

Orgelspiel

 

Eröffnung: 468, 1 - 3 Gott gab uns Atem

 

Begrüßung:

 

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst des Erzbistums – oder sagen wir es mit einem Bild aus dem Evangelium – „im Weinberg des Herrn“,

Schwestern und Brüder im Glauben!

 

„Gott ins Gespräch bringen“ – so die Überschrift zu unserem Studientag, der uns heute in Paderborn zusammengeführt hat. Unterstützt durch einen engagierten Vortrag von Professor Biesinger, haben wir überlegt, wie es uns noch besser gelingen kann, junge Eltern und ihre Kinder religiös zu begleiten, angefangen von der Phase der Schwangerschaft und Geburt, über den Zeitpunkt der Kindstaufe und die Kindergartenzeit bis hin zur Erstkommunion der Kinder.

Jetzt, zum Abschluss des Studientages, versammeln wir uns alle hier im Hohen Dom. Wenn wir nämlich andere Menschen mit Gott ins Gespräch bringen wollen, müssen wir vorab und vorrangig selbst mit Ihm im Gespräch sein, will sagen: das Gebet suchen. Alles, was wir den Tag über gemeinsam erwogen und erörtert haben, möge sich nun in Seiner Gegenwart in unseren Herzen sammeln, sich setzen, sich läutern und reifen. So werden wir selbst wirklich Lernende, Jüngerinnen und Jünger, die beim Herrn in die Schule gehen. Nur in Christus verwurzelt, können wir es wagen, anderen Menschen – speziell jungen Familien – „Lernorte des Glaubens“ eröffnen zu wollen…

           Auf sein Wort hin können wir die Begegnung mit jungen Eltern und ihren Kindern immer wieder neu suchen, damit sie – durch unser Glaubenszeugnis ermutigt und unsere Begleitung gestärkt – für sich die              Beziehung zu Christus als immer sprudelnde Quelle des Lebens freilegen und freisetzen. Dazu lasst uns den Herrn anrufen:

 

Kyrie155 V/A –

 

Damit ich nicht weh tue mit meinen Händen,

brauche ich deine Liebe, die größer ist als ich.

Sei in meinen Händen, Liebe, weltübersteigende.            …. Kyrie…

 

Damit ich nicht verletze mit meinen Worten,

brauch ich eine Zartheit, die größer ist als ich.

Sei in meinen Worten, Zartheit, weltübersteigende.          …. Christe…

 

Damit ich nicht verwunde durch Nichtstun,

brauche ich deine Zuwendung, die größer ist als ich.

Sei ganz in mir – Zuwendung, weltübersteigende.                       … Kyrie…

(Anton Rotzetter)

 

Gebet:             

Gott, du hast der Welt das Evangelium geschenkt,

damit es sie wie ein Sauerteig durchdringe.

Sei allen Christen nahe, die du berufen hast,

deine Botschaft zu den Menschen zu tragen und deine Liebe zu bezeugen.

Sammle dein Volk durch das Wort des Lebens

und stärke es durch die Kraft der Sakramente.

            Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

            Amen.

                      

 

Thematische Einführung:

Dass wir heute über das Potential nachgedacht haben, dass in der Wirklichkeit „Familie“ als „Lernort des Lebens und des Glaubens“ steckt und darüber, wie wir es künftig noch mehr heben könnten, hat auch mit „Amoris laetitia“ zu tun. In diesem nachsynodalen Schreiben ermutigt Papst Franziskus die Ortskirchen ausdrücklich zu solchen pastoralen Initiativen. Das christliche Familienbild entwickelt der Papst dort übrigens ganz elementar im Ausgang von Psalmworten aus dem Alten Testament, besonders von Psalm 128. Seinen meditativen Gedankengang möchten wir mit Ihnen nun etwas nachgehen Was die Lektorin im Folgenden vortragen wird, sind Gedanken Familie aus „Amoris laetitia“.

 

Meditativer Text:

„Die Bibel ist bevölkert mit Familien, mit Generationen, sie ist voller Geschichten der Liebe wie auch der Familienkrisen, und das von der ersten Seite an, wo die Familie von Adam und Eva auftritt mit ihrer Last der Gewalt, aber auch mit der Kraft des Lebens, das weitergeht (vgl. Gen 4), bis zur letzten Seite, wo die Hochzeit der Braut und des Lammes erscheint (vgl. Offb 21,2.9). Die beiden Häuser, die Jesus beschreibt und die auf Fels oder auf Sand gebaut sind (vgl. Mt 7,24-27), sind ein symbolischer Ausdruck vieler familiärer Situationen, die durch die persönliche Freiheit ihrer Mitglieder geschaffen werden, denn – wie der Dichter schrieb – » jedes Haus ist ein Leuchter «. )

 

Treten wir nun in eines dieser Häuser ein, geführt vom Psalmisten durch einen Gesang, der noch heute sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Liturgie der Trauung erklingt:“

 

(AL 8)

 

Psalm:             GL 71, 1 + 2 V/A       Kehrvers „Selig, wer Gott fürchtet“ und Psalm 128

 

Lesung:         Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 2,41-52)

 

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.  Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

 

Meditative Auslegung:

Papst Franziskus schreibt in Amoris leatitia:

 

„Die Bibel betrachtet die Familie auch als Ort der Katechese für die Kinder. Das scheint in der Beschreibung der Pascha-Feier auf (vgl. Ex 12,26-27; Dtn 6,20-25), und später wurde es in der jüdischen Haggadah verdeutlicht, das heißt in der dialogischen Erzählung, die den Ritus des Pascha-Mahles begleitet.

 

Mehr noch rühmt Psalm 78 die Verkündigung des Glaubens in der Familie:

»Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten, das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen, sondern dem kommenden Geschlecht erzählen: die ruhmreichen Taten und die Stärke des Herrn, die Wunder, die er getan hat. Er stellte sein Gesetz auf in Jakob, gab in Israel Weisung und gebot unseren Vätern, ihre Kinder das alles zu lehren, damit das kommende Geschlecht davon erfahre, die Kinder späterer Zeiten; sie sollten aufstehen und es weitergeben an ihre Kinder« (Ps 78,3-6).

 

Daher ist die Familie der Ort, wo die Eltern zu den ersten Glaubenslehrern ihrer Kinder werden. Es ist eine „handwerkliche“ Aufgabe, von Mensch zu Mensch:

»Wenn dich morgen dein Sohn fragt […] dann sag ihm…« (Ex 13,14).

 

So stimmten die verschiedenen Generationen ihren Gesang zum Herrn an: die jungen Männer und auch die Mädchen, die Alten mit den Jungen (vgl. Ps 148,12).

 

Die Eltern haben die Pflicht, ihre Erziehungsaufgabe ernsthaft zu erfüllen, wie die biblischen Weisen immer wieder lehren (vgl. Spr 3,11-12; 6,20-22; 13,1; 29,17). Die Kinder sind aufgefordert, das Gebot: »Ehre deinen Vater und deine Mutter« (Ex 20,12) anzunehmen und zu praktizieren, wobei das Wort „ehren“ die Erfüllung der familiären und sozialen Verpflichtungen in vollem Umfang bedeutet, ohne sie etwa mit religiösen Entschuldigungen zu vernachlässigen (vgl. Mk 7,11-13). In der Tat:

»Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden, und wer seine Mutter achtet, gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt« (Sir 3,3-4).

 

Das Evangelium erinnert uns auch daran, dass die Kinder kein Eigentum der Familie sind, sondern dass sie ihren eigenen Lebensweg vor sich haben. Wenn es stimmt, dass Jesus sich als Vorbild des Gehorsams gegenüber seinen irdischen Eltern zeigt und ihnen untertan ist (vgl. Lk 2,51), ist es auch sicher, dass Jesus zeigt, dass die Lebensentscheidung des Kindes und seine persönliche christliche Berufung eine Trennung verlangen können, um die eigene Hingabe an das Reich Gottes zu erfüllen (vgl. Mt 10,34-37; Lk 9,59-62). Mehr noch, er selbst antwortet im Alter von zwölf Jahren Maria und Josef, dass er eine andere, höhere Aufgabe erfüllen muss, jenseits seiner geschichtlichen Familie (vgl. Lk 2,48-50). Deshalb hebt er die Notwendigkeit anderer, sehr tiefer Bindungen auch innerhalb der familiären Beziehungen hervor:

»Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln « (Lk 8,21).

 

Andererseits geht Jesus in der Aufmerksamkeit, die er den Kindern widmet – die in der Gesellschaft des antiken Nahen Ostens als Subjekte ohne besondere Rechte und sogar als Objekte des Familienbesitzes betrachtet wurden –, so weit, sie den Erwachsenen geradezu als Lehrmeister vorzustellen wegen ihres einfachen und spontanen Vertrauens gegenüber den anderen:

»Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte « (Mt 18,3-4).

 

(AL 16-18)

 

Magnificat:                           GL 822, 1 – 5             „Groß sein lässt meine Seele den Herrn“

 

Fürbitten:                             GL 678, 4 V/A           „Ehe und Familie“

 

Vaterunser:

Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Deshalb beten wir voll Vertrauen:

Vater unser im Himmel…

 

Abschlussgebet aus Amoris laetitia:

Jesus, Maria und Josef,

in euch betrachten wir

den Glanz der wahren Liebe,

an euch wenden wir uns voll Vertrauen.

 

Heilige Familie von Nazareth,

mache auch unsere Familien

zu Orten innigen Miteinanders

und zu Gemeinschaften des Gebetes,

zu echten Schulen des Evangeliums

und zu kleinen Hauskirchen.

 

Heilige Familie von Nazareth,

nie mehr gebe es in unseren Familien

Gewalt, Halsstarrigkeit und Spaltung;

wer Verletzung erfahren

oder Anstoß nehmen musste,

finde bald Trost und Heilung.

 

Heilige Familie von Nazareth,

lass allen bewusst werden,

wie heilig und unantastbar die Familie ist

und welche Schönheit sie besitzt im Plan Gottes.

 

Jesus, Maria und Josef,

hört und erhört unser Flehen.

Amen.

 

Einladung zur persönlichen Segnung:

Liebe Schwestern und Brüder,

 

am Ende eines jeden Gottesdienstes werden wir hinausgesandt in die Welt – „Gehet hin in Frieden“ – so auch heute. „Es ist der Auftrag der Kirche, das Evangelium von der Liebe Gottes zu verkünden" (ZB S.18), heißt es im ersten Satz des Zukunftsbilds für unser Erzbistum. Für dieses Hinausgesandt-Sein, das Evangelium zu verkünden, und zwar besonders auch den Familien unserer Zeit, erbitten wir Gottes Segen und Schutz.

 

Dass jeder und jede von Ihnen persönlich gesandt ist, soll heute auch dadurch zum Ausdruck kommen, dass Sie sich durch einen persönlichen Segen seitens unseres Erzbischofs (oder der anwesenden Weihbischöfe und anderer Geistlicher) stärken lassen. Wenn Sie möchten, treten Sie also einfach nach dem allgemeinen Segen vor die Altarstufen (hier vorne oder auch links und rechts, wie beim Kommunionempfang) und lassen Sie sich einzeln senden für die Aufgaben und Anliegen Ihres Lebens und Arbeitens.

 

Bischöflicher Segen & Entlassung

 

Einzelsegen:

 

Der Gott der Liebe und Lebens sende Dich zur Verkündigung und Bezeugung der Frohen Botschaft.

Es segne Dich der treue Gott,

der † Vater und der † Sohn und der † Heilige Geist. Amen.

 

 

Gesang während des Einzelsegens:

                        GL 796, 1 – 5 „Herr, wir bitten komm und segne uns“