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Grußwort von Erzbischof Becker zum Studientag für das Pastorale Personal am 27.11.17



Die Berufung zu Ehe und Familie in ihrer ganzen Breite, in ihrem attraktiven Potential und ihrer Schönheit zum Tragen kommen lassen

Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pastoral unseres Erzbistums,

 

Ihnen allen ein herzliches Willkommen zu unserem Studientag, der überschrieben ist:

 

„Gott ins Gespräch bringen“
Lernorte des Glaubens für Eltern, Kinder und Kindeskinder.

 

Es freut mich, dass Sie sich heute Morgen zahlreich nach Paderborn auf den Weg gemacht haben. Knapp 300 Personen dürften wir sein (wenn alle angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch tatsächlich gekommen sind…). Im Fokus unseres heutigen Zusammenseins steht ein wichtiges Thema: Wie können wir die Glaubensweitergabe an die nachwachsenden Generationen in Ehe und Familie unterstützen?

Familienpastoral ist also das Anliegen. Sie alle wissen, dass die Familienpastoral im Erzbistum breit gefächert unterwegs ist. Was wir „Evangelisierung in Ehe und Familie“ nennen, ist dabei nur einer von fünf Sachaspekten, allerdings ein sehr wichtiger. Familienberatung, Familienbildung, Familienhilfe und Familienpolitik sind weitere Bausteine.

 

Weil die seelsorgliche Begleitung von jungen Eltern und Familien alle pastoralen Berufsgruppen gleichermaßen interessiert und involviert, habe ich Sie auch alle zu einem gemeinsamen Studientag eingeladen:  Priester, Ständige Diakone, Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten sowie Dekanatsreferenten.

 

Als Fachreferent für den heutigen Tag wird uns Professor Dr. Albert Biesinger zur Seite stehen, den ich mit seinen drei Mitarbeitern, die am Nachmittag jeweils eine Kleingruppe leiten werden, recht herzlich in unserer Mitte begrüße. Aus der Zusammenarbeit in der Kommission VII für „Schule und Erziehung“ der Deutschen Bischofskonferenz kennen wir uns seit Jahren und schätzen einander. Ich muss Professor Biesinger – Professor für Katechetik und Religionspädagogik zunächst an der Universität Salzburg und ab 1991 dann für Religionspädagogik, Kerygmatik und kirchliche Erwachsenenbildung in Tübingen, daneben Ständiger Diakon – nicht eigens vorstellen. Denn den meisten von Ihnen ist sein Name über seine Veröffentlichungen zum Thema Familienpastoral längst ein Begriff. Ein wohl allen bekannter, vielsagender Buchtitel lautet: „Kinder nicht um Gott betrügen“. Als Hochschullehrer, aber auch als Gründer einer Stiftung mit dem Namen „Gottesbeziehung in Familien“ (im Jahr 2001) ist es Professor Biesingers zentrales Anliegen, die religiöse Erziehung in den Familien zu fördern. Dabei verfolgt er durchgehend eine doppelte Frage: Wie begleiten wir Eltern auf ihrem Glaubensweg? Und wie befähigen wir darin die Eltern, ihrerseits ihre Kinder religiös zu begleiten? Es gilt also, die religiöse Begabung der Eltern und dadurch vermittelt auch die ihrer Kinder zu wecken und zu fördern, schließlich sind ja die Eltern die ersten und überaus wichtigen Glaubenszeugen für ihre Kinder.

 

Dieses Anliegen entspricht letztlich der theologischen Berufungskategorie, wie sie sich in unserem diözesanen Zukunftsbild ausformuliert findet. Wir glauben an einen Gott, der uns Menschen anspricht, um uns ein Beziehungsangebot zu machen, uns in die Kommunikation mit ihm, ja sogar in eine Lebensgemeinschaft mit ihm einzuladen. Damit ist natürlich immer auch ein Sinnversprechen, eine Verheißung gegeben, die, wenn sie zu Bewusstsein gekommen und persönlich im freien Entschluss als Auftrag übernommen wird, als „Berufung“ bezeichnet werden kann. Jeder und jede Einzelne kann diesem Ruf persönlich folgen und darin sich selbst und seine Anlagen – so die Verheißung des Herrn – entfalten und fruchtbar machen, einerseits für sich selbst, andererseits für seine Mitmenschen und den Aufbau des Volkes Gottes.

 

Schon die Fortbildungsreihe 2016/ 17 für das pastorale Personal zur Umsetzung und Aneignung des Zukunftsbildes hatte diesen Gedanken aufgegriffen: Wie organisieren wir uns, damit Gott „Raum hat“, oder anders gesagt: damit Gott „Stimme hat“ / Gehör findet/ Menschen ansprechen und erreichen kann. Heute greifen wir diese allgemeine Frage noch einmal auf, formulieren sie aber gezielt in Richtung auf die Lebenswirklichkeit junger Familien und Eltern: Wie möchten wir Familien und Kinder religiös begleiten, und zwar so, dass dabei Gott ins Gespräch kommt und ansprechende Lernorte des Glaubens für Eltern, Kinder und Kindeskinder eröffnet werden. Lassen wir uns dazu durch einen Impulsvortrag von Prof. Biesinger inspirieren, um dann am Nachmittag die Arbeit in thematischen Kleingruppen weiterzuführen Richtung Konkretion.

 

Ich darf auch noch einmal erinnern an das Thema des letztjährigen Herbst-Priestertages. Damals ging es um das nachsynodale Päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ zu Fragen von Ehe und Familie. Als Synodenteilnehmer überbrachte Bischof Franz-Josef Bode den Wunsch von Papst Franziskus, die „Familie“ nicht immer erst dann zum Thema zu machen, wenn sie zum Problem geworden ist. Ehe und Familie können nicht einseitig nur von ihren eventuellen Krisen und Konflikten her bedacht werden. Das greift zu kurz. Vielmehr soll die Berufung zu Ehe und Familie in ihrer ganzen Breite, in ihrem attraktiven Potential und ihrer Schönheit zum Tragen kommen. Gerade dazu möge der heutige Tag einen Beitrag leisten.

 

Schon an dieser Stelle sei vorab allen Dank gesagt, die sich in die Vorbereitung des Studientages eingebracht haben und ihn heute durchführen: besonders Professor Biesinger und seinen Mitarbeitern sowie den Fachleuten aus verschiedenen Bereichen unseres Erzbistums, die am Nachmittag die Kleingruppenarbeit leiten. Vor der Mittagspause werden Sie alle ihre Workshops noch persönlich vorstellen.

 

Ich wünsche uns allen einen bereichernden Tag und möchte beginnen mit einem Gebet zum dreifaltigen Gott:

 

Gott,

der du uns Vater und Mutter bist.

Sporne uns an, Lebensmut zu fördern

in unseren kleinen Gemeinschaften ebenso

wie in der großen Familie der Glaubenden.

 

Jesus Christus,

der du als Bruder zur Welt kamst.

Hilf uns, neue Wege zu finden

in unseren kleinen Gemeinschaften ebenso

wie in der großen Familie der Glaubenden.

 

Heiliger Geist,

der du uns zärtlich umgibst.

Stärke uns, liebevoll miteinander zu leben.

in unseren kleinen Gemeinschaften ebenso

wie in der großen Familie der Glaubenden.

Amen.

(aus: Martina Kreidler-Kos: Mit Lust und Liebe glauben, S. 193)